Ganassi – Arbeitstagebuch

Published: 03.03.2014     Author: Stephan Schürch

Abstract

Erläuterung der Schritte für den Bau einer Viola da gamba nach einem von Silvestro Ganassi abgeleiteten Modell.

How to cite

Stephan Schürch, "Ganassi – Arbeitstagebuch". Forschungsportal Schola Cantorum Basiliensis, 2014.
https://www.forschung.schola-cantorum-basiliensis.ch/en/forschung/fruehe-streichinstrumente-1/schuerch-ganassi-arbeitstagebuch.html (retrieved: DD MM YYY)

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Die Bodenbalken hobelte ich auf der Leimfläche in der Längsrichtung leicht rund (aussen jeweils 1 mm in der Luft, auf einer ebenen Unterlage). Wie im Plan vorgegeben leimte ich sie leicht schräg ein. (Beim fertiggestellten Instrument zeigte sich, dass sich der Boden trotz der konvexen Form der Bodenbalken nach innen verzog.) Auf dem so vorbereiteten Boden baute ich nun den Zargenkranz auf.

2.2. Zargen biegen
Das Biegen der 2.5 bis 2.8 mm starken Zargen erwies sich als erstaunlich einfach. Dass das verwendete Ahornholz nur leicht geflammt war, kam mir hier hilfreich entgegen.

2.3. Schnecke und Halsstock
Eine besondere technische Herausforderung war es, auf den Oberklotz zu verzichten und stattdessen die Zargen direkt in den Halsstock einzulassen. Die Zargeneinschnitte mussten dabei von Hand erfolgen, da sich der erforderliche Winkel nicht zufriedenstellend auf einer Kreissäge einstellen liess.

Das Formen der Ganassi-Schnecke war vergleichbar mit dem Schnitzen einer „modernen“ Schnecke. Ein grosser Unterschied waren jedoch die, von vorne gesehen, breiten Ausladungen der Windungen und die keilförmige innerste Windung der Schnecke, für welche ich einen in die entsprechende Form geschliffenen Bohrer verwendete. Die Schlussausformung der Schnecke geschah ganz klassisch von Hand.

Die Zargen-Boden-Leimstellen wurden mit Leinenstreifen gesichert. Zur Vergrösserung der Decken-Leimfläche wurden eingeleimte Klötzchen, anstelle der sonst üblichen Reifchen, verwendet.

2.4. Decke
Bei der Deckenkonstruktion entschied ich mich (zusammen mit Thilo Hirsch), den Versuch zu wagen, diese aus zwei ca. 10 mm dicken Fichtenholzplatten zu biegen. (Bei einer herkömmlich aus 7 einzelnen Brettchen gebogenen Bassgambendecke beträgt die Holzstärke der Brettchen nur ca. 6 mm.) Ich legte die zwei Platten über Nacht ins Wasser, um die Biegsamkeit zu erhöhen. Das Biegen selbst erfolgte auf meiner Zargenbiege-Einrichtung und verlief weitgehend problemlos.

Biegen der Decken-Platten aus 10 mm dickem Fichtenholz. Video: T. Hirsch.

Nach dem Biegen fügte und leimte ich die zwei Deckenhälften zusammen. Nun erfolgte die Ausarbeitung der Deckenwölbung.

Es ist eindeutig sichtbar, wo die Decke aufgrund der Biegetechnik auf der ebenen Tischplatte aufliegt, bzw. wo nicht (wie z. B. im Bereich der Mittelbügel).