Forschungsprojekt

Ein Unikat: D-LEm I.8°191 – eine mitteldeutsche Harfentabulatur aus der Zeit um 1540

01.01.2020 – 15.05.2026

Das Projekt bietet eine erste Edition der bislang einzigen gefundenen Tabulatur für Renaissanceharfe im mitteldeutschen Raum. Es handelt sich um ein Manuskript mit 42 beschriebenen Blättern, das um 1540 entstanden ist und heute in der Musikbibliothek der Leipziger Stadtbibliotheken unter der Signatur I.8°191 aufbewahrt wird.

Die Leser:innen erhalten einen tiefen Einblick in diese unikale Quelle: von Faksimiles und originalgetreuen Übertragungen in Common Western Music Notation, inklusive vokaler Vorlagen, bis hin zur aufführungspraktischen Edition für Renaissanceharfe, Forschung und Audio-Aufnahmen der Musikstücke. Die vielschichtige Erschliessung des Manuskripts erlaubt es erstmals, spezifisch für Harfe in «älteren deutschen Orgeltabulatur» notierte Musik zu analysieren. Dabei stehen nicht nur Aspekte wie Intavolierung, Musica ficta und Diminution im Fokus, sondern auch Fragen der Repertoireüberlieferung, des didaktischen Aufbaus und der Kontextualisierung innerhalb zeitgenössischer Tabulaturen. Das vorangestellte Fundamentum reiht die Quelle zudem in die noch wenig erforschte Gruppe handschriftlicher, für den Eigenbedarf adaptierter Instrumentallehren ein.

 

Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien (PD Dr. Kateryna Schöning) und der Schola Cantorum Basiliensis (Forschungsabteilung: Prof. Dr. Martin Kirnbauer; Harfenabteilung: Doz. für Historische Harfe Heidrun Rosenzweig, Doz. für Harfe Mittelalter und Renaissance Claire Piganiol und Prof. für Historische Harfe Flora Papadopoulos, mit Studierenden der Harfenklassen).

Details

  • Forschungsteam
  • Projektdauer

    01.01.2020 – 15.05.2026

  • Finanzierung

    Das Projekt wurde teilfinanziert von:

    • Alexander von Humboldt Stiftung als Projekt Eine unbekannte Tabulatur aus der Sammlung von Carl Ferdinand Becker (1804–1877): zwei bürgerliche Musikkulturen im Dialog; PI Kateryna Schöning, Laufzeit 1.10.2018–31.12.2018, Institut für Musikwissenschaft, Hochschule für Musik und Theater «Felix Mendelssohn Bartholdy» Leipzig.
    • Österreichischer Wissenschaftsfonds (FWF) als Teil des Projekts Solistische Instrumentalmusik im mitteleuropäischen Kulturraum (ca. 1500–ca.1550): instrumentale Praxis und humanistische Kontexte, PI Kateryna Schöning, DOI 10.55776/V661, Laufzeit 2019–2025, Institut für Musikwissenschaft, Universität Wien.
    • Schola Cantorum Basiliensis / FHNW (Musik-Aufnahmen und Audioschnitt)
  • Projektpartner / Kooperationen
    • Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien
    • Schola Cantorum Basiliensis / FHNW (Abteilung Forschung und Dozentinnen für Historische Harfe)

Vorträge und Workshops

  • Kateryna Schöning, «Die Tabulatur D-LEm I.8°191 (1530er–1540er)», Forschungsforum COMMON HOUR am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien, Wien, 6.3.2020
  • Kateryna Schöning, «Die Tabulatur D-LEm I.8° 191 (1530–1540) aus der Sammlung von Carl Ferdinand Becker (1804–1877): bürgerliche Musikkulturen im Dialog», Musikwissenschaftliches Forschungskolloquium der Institute Heidelberg / Mainz Musik vor 1600, online, 26.2.2021
  • Heidrun Rosenzweig, «A newly found harp manuscript from Germany, c. 1540», Harps and Early Music: Online Colloquium in Memory of Judy Kadar, kuratiert von Egberto Bermudez, Bogotá, und Birgit Ammon-Lassen, Berlin,  21.7.2021
  • Kateryna Schöning, «Die einzige überlieferte Renaissance-Harfentabulatur im deutschsprachigen Raum: Praxis und musikkulturelle Kontexte im 16. Jh. D-LEm I.8°191 (1530–1540) aus der Sammlung von Carl Ferdinand Becker (1804–1877)», Davidsharfen – Harfen im deutschsprachigen Raum des 16.–18. Jahrhunderts: Instrumente, Repertoire, Aufführungspraxis, Musik Akademie Basel, Studientage der Schola Cantorum Basiliensis, 28.–30.4.2022, Basel, 29.4.2022
  • Heidrun Rosenzweig, «Solo harp pieces from the Renaissance? The newly attributed earliest (German) harp manuscript D-LEm I.8°191 from around 1540», Giornate di studio della classe di arpa di Mara Galassi, dal vivo e online, Civica Scuola di Musica Claudio Abbado, Milano, 25.–26.11.2023 
  • Heidrun Rosenzweig, «The newly attributed harp manuscript from around 1540: Leipzig 191: A practical approach», The Historical Harp Society of Ireland, Academy of Early Irish Harp, Four online group tuition sessions, 12.10.–9.11.2024
  • Heidrun Rosenzweig, «The Leipzig 191 MS from 1540: A blueprint to create solo music for the harp», Bermudo Days – The Renaissance harp – This unknown single lady, Giornate di studio, Civica Scuola di Musica Claudio Abbado in collaborazione con Schola Cantorum Basiliensis, Historical Harp Society of Ireland, Civico Museo degli Strumenti Musicali del Castello Sforzesco di Milano, 19.–21.12.2024, Milano, 19.12.2 2024
  • Kateryna Schöning, Heidrun Rosenzweig, «D-LEm I.8°191: The Earliest Surviving Harp Tablature: Editions, Selection Criteria and Intabulation Practice (lecture recital)», Basel Study Days on Lute and Tablature, Schola Cantorum Basiliensis / FHNW Basel & Study Group Tablature in Western Music, International Musicology Society (IMS), 10.9.–13.9.2025, Basel, 13.9.2025

Publikationen