Das Projekt bietet eine erste Edition der bislang einzigen gefundenen Tabulatur für Renaissanceharfe im mitteldeutschen Raum. Es handelt sich um ein Manuskript mit 42 beschriebenen Blättern, das um 1540 entstanden ist und heute in der Musikbibliothek der Leipziger Stadtbibliotheken unter der Signatur I.8°191 aufbewahrt wird.
Die Leser:innen erhalten einen tiefen Einblick in diese unikale Quelle: von Faksimiles und originalgetreuen Übertragungen in Common Western Music Notation, inklusive vokaler Vorlagen, bis hin zur aufführungspraktischen Edition für Renaissanceharfe, Forschung und Audio-Aufnahmen der Musikstücke. Die vielschichtige Erschliessung des Manuskripts erlaubt es erstmals, spezifisch für Harfe in «älteren deutschen Orgeltabulatur» notierte Musik zu analysieren. Dabei stehen nicht nur Aspekte wie Intavolierung, Musica ficta und Diminution im Fokus, sondern auch Fragen der Repertoireüberlieferung, des didaktischen Aufbaus und der Kontextualisierung innerhalb zeitgenössischer Tabulaturen. Das vorangestellte Fundamentum reiht die Quelle zudem in die noch wenig erforschte Gruppe handschriftlicher, für den Eigenbedarf adaptierter Instrumentallehren ein.
Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien (PD Dr. Kateryna Schöning) und der Schola Cantorum Basiliensis (Forschungsabteilung: Prof. Dr. Martin Kirnbauer; Harfenabteilung: Doz. für Historische Harfe Heidrun Rosenzweig, Doz. für Harfe Mittelalter und Renaissance Claire Piganiol und Prof. für Historische Harfe Flora Papadopoulos, mit Studierenden der Harfenklassen).
